Geschichte

Um 1180 – 1185
Aus einer Einsiedlergemeinschaft im nahen Eiberger Wald entwickelt sich unter Förderung des Markgrafen Heinrich von Ronsberg-Ursin ein Benediktinerkloster. Der Konvent findet auf dem Irseer Burgberg die erste Heimstätte.

Um 1190 – 1195
Kirche und Kloster werden, wohl aufgrund des Wassermangels auf dem Burgberg, mit etwas Abstand zum Irseer Burgdorf am heutigen Standort neu errichtet.

1209
Innozenz III. nimmt das Kloster unter päpstlichen Schutz.

13. Jahrhundert
Päpstliche, königliche und bischöfliche Urkunden bestätigen die Rechte und Besitzungen des Klosters.

13. – 16. Jahrhundert
Das Kloster baut sich aus Käufen und Schenkungen mit den Dörfern Irsee, Eggenthal, Baisweil, Lauchdorf, Schlingen, Ketterschwang, Rieden, Pforzen, Leinau und Mauerstetten und den dazugehörigen Weilern ein Herrschaftsgebiet auf

1416
Nach einem Brand erfolgt der Neubau des Chors und des Turms der Kirche und wohl auch der Konventgebäude.

Ende 15. / Anfang 16. Jahrhundert
Kloster Irsee wird reichsunmittelbar, ist also politisch nur dem Kaiser unterstellt.

1525
Aufständische Bauern verwüsten das Kloster.

Um 1600
Insbesondere unter Abt Carolus Andreae kommt es zu einer ersten Blüte der Musikpflege in Irsee.

1632 – 1648
Das Kloster und seine Untertanen leiden hart unter den Plünderungen, Brandschatzungen und Erpressungen des 30-jährigen Krieges. 

Ende 16.Ende 17. Jahrhundert
Den Mönchen wird zunehmend eine wissenschaftliche Ausbildung in anderen Klöstern und an Universitäten zuteil.

1692/94
Irsee erhält in seinem Herrschaftsgebiet das Hochgericht und übt jetzt die volle Landeshoheit aus, es wird offiziell zur Reichsabtei.

1699 – 1735
Nach dem Einsturz von Turm und Chor der Kirche wird das Kloster unter Abt Willibald Grindl und seinem Nachfolger Bernhard Beck weitestgehend neu erbaut, unter Beteiligung des Vorarlberger Baumeisters Franz Beer, des Irseer Laienbruders Magnus Remy und zahlreicher weiterer bedeutender Künstler. 16991702 werden zunächst die Klosterkirche und 17071711 der Nord-, Ost- und Südflügel des Konventgebäudes errichtet. Das Sommerhaus im Klostergarten folgt 1714, der Westflügel des Konventbaus entsteht nach einer Bauunterbrechung 17271735. Eine Idealplanung mit spiegelsymmetrischen Bauten um die Klosterkirche kommt nie zur Ausführung.

18. Jahrhundert
Kloster Irsee gilt unter den süddeutschen Klöstern als erste Adresse in Wissenschafts- und Musikpflege. Pater Ulrich Weiß lehrt in Irsee Mathematik, Pater Meinrad Spieß veröffentlicht mehrere umfangreiche Musikkompositionen. Das 1744 eingerichtete mathematisch-naturwissenschaftliche Museum genießt hohes Ansehen. Zudem wirken Irseer Konventmitglieder als Lehrer in anderen Klöstern und an Universitäten.

1802/03
Das Kloster wird im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Die Besitzungen werden mit Ausnahme des Konventgebäudes verkauft. In diesem werden in der Folgezeit zeitweise das das Landgericht, das Rentamt, der Revierförster und der Pfarrer untergebracht.

1849
Nach einer langen Planungs- und Umbauphase ab 1830 wird in den Klostergebäuden die erste schwäbische Kreis-Irrenanstalt eröffnet, nach Erlangen als zweite moderne Anstalt in Bayern. Es werden neue, humanere Behandlungsmethoden eingeführt. Die Anstalt hat jedoch von Anfang an mit den eigentlich ungeeigneten Räumlichkeiten und einer zunehmenden Überfüllung zu kämpfen.

Ab 1876
Nach nicht verwirklichten Erweiterungsplanungen in den 1860er Jahren wird die Anstalt eine Abteilung der neu erbauten Kreis-Heil- und Pflegeanstalt in Kaufbeuren. In Irsee werden im Zuge einer umfassenden Renovierung ein neues Haus für unruhige Frauen (heute Ateliergebäude) und die Prosektur errichtet. In der Folgezeit wird Irsee zunehmend zu einer reinen Verwahranstalt für chronisch kranke Patientinnen und Patienten.

1933 – 1945
Nach anfänglichen Verbesserungen in der Behandlung folgen unter der Nationalsozialistischen Herrschaft bald Zwangssterilisationen und ab 1940 die gezielte Ermordung von Patienten aus Kaufbeuren-Irsee: bis zu 1.600 Menschen aus beiden Anstaltsteilen, Frauen, Männer und Kinder, werden im Zuge der NS-"Euthanasie" in Vernichtungsanstalten deportiert, sterben nach Verordnung einer fettlosen Hungerkost (E-Kost) oder werden mittels Überdosen von Medikamenten direkt umgebracht. In der Prosektur werden die Leichen seziert und falsche Totenscheine ausgestellt. 1944 wird aufgrund der vielen Toten nördlich der Klosterkirche ein eigener Anstalts-Friedhof angelegt.

1949
Der Direktor der Anstalt und mehrere Pflegekräfte werden für ihre Beteiligung an den Verbrechen in Irsee zu niedrigen Haftstrafen verurteilt.

1972
Die Irseer Abteilung für psychisch Kranke wird aufgelöst. Die letzten Patienten verlassen das Haus.

1974
Der Bezirkstag von Schwaben beschließt die Restaurierung der Klosteranlage und die neue Zweckbestimmung als Bildungszentrum in Rückbesinnung auf die Tradition benediktinischer Geistigkeit. Aufgrund der langen Geschichte als psychiatrische Anstalt liegt ein weiterer Fokus auf der Fortbildung im Gebiet der Psychiatrie. Als Nebeneffekt der Instandsetzung verschwinden nahezu sämtliche Spuren der Anstaltsgeschichte Irsees.

1981
Kloster Irsee wird als Tagungs-, Bildungs- und Kulturzentrum des Bezirks Schwaben neu eröffnet. Es beherbergt zudem die Schwabenakademie und das Bildungswerk des Bayerischen Bezirketags. Das Profil des Zentrums bilden neben beruflichen Fortbildungen anspruchsvolle Veranstaltungsreihen in den Bereichen Musik, Literatur und bildende Kunst.

Daneben gelten besondere Anstrengungen der Aufarbeitung der Klostergeschichte wie der psychiatrischen Anstalt mit dem Gedenken der "Euthanasie"-Opfer. Zu nennen sind die Pflege mehrerer Gedenkorte im Bereich der Klostergebäude, die Förderung von Publikationen sowie die Herausgabe von Neueinspielungen der Irseer Klostermusik der Renaissance und der Kompositionen von Meinrad Spieß.

Dr. Gerald Dobler
Dienste in Kunst- und Denkmalpflege, Wasserburg/Inn

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